Bei der täglichen Reise durchs Netz bin ich heute auf der Blogpoesie.de vorbeigekommen – und wenigstens kurz stehen geblieben. Diese Internet-Seite, die wie der Name schon sagt, ein aufgemotzter Blog ist, wie auch der Schmetterlingsgesang, bietet eine Menge gute Lyrik von Wolfgang Schulze, dem Autoren von “Blaublaue Küsse“. Hier aber nennt er sich Petros – und schwelgt nicht zuletzt in Erinnerungen an seine geistige Heimat (wie er es irgendwo beschrieben hat) Kreta.
Doch nun zur Lyrik. Wie gesagt, gibt es viel gutes zu entdecken. Besonders empfehlen möchte ich das Elfchen “liebe.worte4you“: Mit den elf Worten, die zum Teil auch noch wiederholt werden, wird soviel gesagt und doch nicht gesagt. Man fühlt ein Prickeln hinter den Zeilen und glaubt gleich, dass man zuviel hinein interpretiert – es geht ja nur um Worte “zu dir” und “zu mir”. Oder geht es doch um die Fragen – “zu mir” oder “zu dir”? Und auch der “austausch”, als Schlussakkord gesetzt, lässt Spielraum für Mutmaßungen. Sehr schön. Ab in den Kulturbeutel damit.
Etwas schwach fand ich zunächst die Sparte “Politisches” besetzt: Die Limmeriks, die sich hier finden, treffen den Kern nicht so zielsicher, wie man das erwarten könnte und arbeiten sich an Westerwelle ab. Das ist natürlich nichts verwerfliches. Doch man wünscht sich mehr, auch vom Fluss der Worte her… Es klingt an mancher Stelle etwas holprig für mein Empfinden. Dann aber stößt man auf die Haikufolge “Bundestagswahl 2009” und ist mit einem Schlag versöhnt. Hier folgt, ein wenig klagend – und schließlich auch über die Klage selbst klagend – aber dafür stimmig in Form und Gehalt, das, was man von guter politischer Lyrik erwarten darf: Bilder und Metaphern, die einem an ihrer Ehrlichkeit erschrecken lassen. Auch das hat seinen Platz im Kulturbeutel verdient.
Es lässt sich auf der Seite bestimmt noch vieles weiteres interessantes finden – aber das darf nun jeder selbst für sich tun. Ich bin mir aber sicher: auf blogpoesie.de werde ich noch öfter vorbei schauen.