Fluss (I) – Quelle
träge
der Fluss meiner Gedanken
gespeist durch Rinnsale
unbedeutender Herkunft
bachaufwärts
mache ich mich
auf die mühsame Suche nach Antwort
stoße auf leere Speicherbecken
die mich gestern noch
aus dem Vollen schöpfen ließen
weiß längst
was mich am Anfang
des Endes erwartet
versiegt
die einst so ergiebige Quelle:
unsere Worte
unsere Gefühle
unser Wir
Schweigen und Leere dort
wo sonst das Leben sprudelte
ein einzelner Tropfen
glitzert Hoffnung
ehe Spuren von Salz
auf meiner Wange
seinen Ursprung verraten …
Fluss (II) – Wadi
wieder einmal
durchqueren wir dürstend
das weite Tal
wandern über ausgetretene Pfade
auf dem vertrockneten
Feld unserer Leidenschaft
langsam kniest du nieder
räumst einige Steine beiseite
zupfst an verdorrtem Gras
kratzt ein wenig in der Erde
reibst sie prüfend
zwischen Fingerspitzen
und ich sehe
feuchte Kuppen
glänzend im Sonnenlicht
gemeinsam hoffen wir
auf den Beginn der Regenzeit
verleugnen erneut das Wissen
um die Gefahr
die sie birgt
manchmal wünschte ich
sie bliebe aus
aber Verdursten
ist kein schöner Tod
Fluss (III) – Delta
einst einten wir
unsere Kräfte
Euphrat und Tigris gleich
zum großen Ziel
kaum merklich jedoch
änderte die Zeit unseren Lauf
Hindernisse umflossen wir
auf dem bequemsten Weg
ein jeder auf seinem
das Ziel
ist noch immer dasselbe
aber erreichen
werden wir es nicht
gemeinsam
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