Diese Woche gibt es wieder einen vollen Kulturbeutel. Diesmal ohne Filme – einen hatte ich ja bereits diese Woche empfohlen, für all jene, die irgendwo wohnen, wo er in die Kinos kommt. Neben dem Hinweis auf das Konstanzer Poesie-Festival, gibt es natürlich wieder einiges an Netz-Lyrik, die mir in dieser Woche zu gefallen wusste.
Fangen wir mit dem Poesiefestival in und um Konstanz an. Das Festival trägt den schönen Namen “dichter dran – auf den versen junger lyrik” und findet statt vom 19.11. bis zum 24.11.2010. Das ist zwar noch ein wenig hin, aber ich weise bereits jetzt darauf hin, weil am Montag der Kartenvorverkauf beginnt. Das mit der “jungen” Lyrik ist sicher relativ zu sehen, wenn das Alter der Poeten tatsächlich zwischen 29 und 42 liegt, wie das Programmheft andeutet. Und ein Stan Lafleur liest sich vielleicht recht jugendlich, ist es aber gewiss nicht. Seiner Lyrik zu lauschen, lohnt aber mit Sicherheit trotzdem.
Eher zu den Jüngeren würde ich da vielleicht Nora-Eugenie Gomringer, Tom Schulz und Ulrike Almut Sandig zählen, die auch alle im Konstanz dabei sein werden. Insgesamt sammeln sich 21 Autoren bei diesem Festival, zu dem auch ein Kinder- und Jugendprogramm gehören soll, von dem aber bisher noch das Programm fehlt. Es gibt verschiedene Veranstaltungsorte und auch Autoren-Workshops. Insgesamt klingt das alles jedenfalls sehr interessant und wer Zeit und Lust hat und so weiter…
Nun muss ich eingestehen, dass ich in der letzten Ausgabe dem Forum dichterplanet.com ein wenig unrecht getan habe, da dort neben dem Werk “limonit’”, welches ich empfohlen habe, doch auch noch andere ganz ordentliche Werke zu finden sind. In dieser Woche möchte ich gleich zwei zum Lesen empfehlen. Da wäre etwa der schöne Titel “vorbei am schaum weißer pferde“, der irgendwie mit Naturlyrik aufwartet – und irgendwie auch nicht. Das lyrische Ich ist hier ein Lachs, der sich zur Fortpflanzung den Yukon hinaufbegibt. Aber irgendwie, gerade mit den letzten Zeilen, klingt das ganze nach mehr, als nur Natur – ich weiß nicht, warum.
Sehr gut hat mir auch “an jene.” gefallen, wenn… ja wenn die letzten vier Zeilen ein wenig anders wären. Warum es “ich vergesse nicht” statt “vergesse ich nicht”, leuchtet mir nicht ein. Das gehört aber vielleicht zu den Flüchtigkeitsfehlern, von denen ja ein paar schon korrigiert wurden (siehe Kommentare). Das auftauchen eines lyrischen Dus aber stört mich in der letzten Strophe etwas. Irgendwie ist das zuviel und zuviel gewollt, ich kann mir nicht helfen. Aber lest selbst.
Ein etwas anderes Herbstgedicht findet sich auf Poetically. Die von Beatrix Brockman geschriebenen “pfeifendüfte” bauen sich ganz langsam zu ihrem poetischen Höhepunkt auf, an dem Pfeifendüfte über Straßen wolken. Zugegeben: es ist ein wenig karg ausgefallen. Aber passt nicht gerade das in den Herbst am besten?
Der Schneewanderer ist zwar hoffentlich noch etwas verfrüht (ich meine jetzt wegen des Schnees), doch auf seinem Blog findet sich das wunderbare Werk “tiere“. Es überrascht vielleicht ein wenig, was für Tiere hier besprochen werden. Höhepunkt finde ich hier in der vorletzten Strophe. Auch in diesem Werk kann man sich fragen, ob die letzten Zeilen nicht vielleicht etwas zuviel wollen – aber es geht noch, ist unaufdringlich. Nur eines stört mich. Gibt es einen tieferen Sinn dahinter, den ganzen Text zentriert zu positionieren? Naja, aber das sind Kleinigkeiten…
Last but not least: Von Ulrike Schmid gibt es in der galerie urs noch ein titelloses Gedicht zu lesen, welches irgendwie eine leichte Verspieltheit mit den Versen und Sinneinheiten an den Tag legt. Irgendwie stört mir auch hier die letzte Zeile das ganz stimmige Bild und ich beginne zu glauben, dass das in dieser Woche irgendwie vielleicht mein persönliches Problem ist. Oder sieht das noch jemand so?