Ich trank

 Veröffentlicht von am 12. September 2010 um 10:16  Kommentieren
Sep 122010
 

Ich trank die Zeit
aus goldnen Bechern
bis auf den letzten
Tropfen aus.

Ich trank den Raum
in großen Zügen
und leckte mir die
Lippen nach.

Ich trank das Sein,
es schmeckte köstlich
und ich verlangte
immer mehr.

Ich trank vom Mensch
und wurde trunken:
Kopfschmerz war mir die
Folge nur.

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  • http://twitter.com/BukTomBloch Burkhard Tomm-Bub

    Guten Tag.
    Ich habe insgesamt zur Seite “sehr hübsch” angeklickt.Was aber verbesserungswürdig ist- ist dieses:
    “Die Seite ist verbeserungswürdig.” – Da dürfte es ein “s” mehr sein.
    Das Gedicht finde ich eigentlich sehr gut, zumal die ersten drei Strophen, sowohl formal – handwerklich, als auch inhaltlich.
    Mit der Negativ-Aussage der Abschluss-Strophe stimme ich nicht überein.Der profanisierende Stilbruch der letzten zwei Zeilen … nun ja.
    Viele werden das als pointiert und amüsant empfinden. Ich selbst nicht so wirklich.Auch wenn ich “Kopfschmerz” als Metapher sehe …Natürlich kann ich auch da etwas Tieferes hineinlesen.
    Intellektuelle Verzweifelung, z.B. …Aber wenn ich es auf diese Weise lese – ist es mir inhaltlich zu wenig.Ansonsten gefällt es mir sehr gut.Soweit meine ehrliche Rückmeldung / meine Assoziationen.MfGBukTom Bloch

    • http://www.schmetterlingsgesang.de/ Stefan Enke

      Lieber BukTom,

      das Gedicht hier gehört sicher nicht zu meinen “Glanzstücken”. Amüsant soll die Pointe nicht unbedingt sein. Es ist schon eine gewisse Verzweiflung darin, die sich nicht auf einzelne Menschen, sondern den Menschen als Gattung bezieht – und in sofern vielschichtig ist (Krankheit, Hunger, Krieg etc. und der Unwillen etwas dagegen zu tun). Es ist aber klar, dass es im Gedicht bloß fern angedeutet bleibt und daher sicher etwas schwach. Allerdings spielt das Gedicht auch mit dem philosophischen Dilemma, das der Mensch oftmals die Kategorien Raum, Zeit und Sein (das ist die aristotelische, nicht die kantische Kategorientafel) herausfällt.

      Ich freue mich immer über ehrliche, kritische Rückmeldungen, vielen Dank.

      Liebe Grüße, Stefan