Wie ein süßes Wellenmunkeln
Rauscht das Meer am Bug entlang.
Und das Schiff durch Sonnenfunkeln
Gleitet hin zum großen Fang.
Und der Wind biegt starke Masten,
Segel sind zum Bauch gebläht.
Und das Schiff, ganz ohne Rasten,
Folgt dem Wind, wie er auch weht.
Fröhlich singt die Mannschaft Lieder,
Bei der Arbeit, Hand in Hand.
Eifrig wirbeln alle Glieder,
Bis man wieder sieht den Strand.
Und der Kapitän lacht munter,
Ist für seinen Mut bekannt.
In der Heimat heißt er „Flunder“ -
Lenkt das Schiff mit viel Verstand.
„Noch ein Stück soll’s diesmal gehen -
Weiter raus: ein größ’rer Fang!“
Und der Wind scheint nicht zu drehen,
Langsam schwillt der Wellengang.
Nur der Horizont wirkt dunkel,
Doch das Unheil ist wohl fern:
Hier blitzt noch das Sonn’gefunkel,
Heiß brennt hier der Tagesstern.
„Noch ein Stück soll’s diesmal gehen,
Weiter raus als je zuvor!“
„Siehst du nicht die Wolken stehen,
Lass uns bleiben, sei kein Tor!“
„Heute zählt es, bloß kein Hadern.
Nicht nach Fisch geht uns’re Fahrt.
Spürt ihr’s nicht in euren Adern?“
Sagt er kühl und streicht den Bart.
„Hört ihr nicht der Meermaid Singen?
Kündet uns von einem Schatz.“
„Was sprichst du von solchen Dingen?“
„Jeder bleibt an seinem Platz!“
Und die Mannschaft folgt gehorsam,
Hält auf dunkle Wolken zu.
Alles blickt und nickt nur schweigsam,
Nur die See hält keine Ruh.
„Hört ihr nicht der Meermaid Singen?“
„Nein, es klingt nach Donnergroll!“
„Hört ihr es nicht lieblich klingen?“
Seine Augen – tränenvoll.
Und ums Schiff wird es schon düster,
Schwaden ziehen finster auf.
Auch der Wellengang wird wüster,
Doch der Kapitän hält drauf.
„Hört ihr nicht die liebe Stimme,
Wie sie fröhlich uns doch ruft?“
„Wenigstens das Segel trimme!
Bringst uns noch in kühle Gruft!“
Und aus leichtem Wellengaukeln,
Wird ein Schlagen an den Bug.
Und das Schiff gerät ins Schaukeln -
Mannschaft ruft: „Es ist genug!“
„Hört ihr nicht die weichen Worte?“
Doch die Wellen klingen hart,
Rauscht wie eine Höllenpforte,
Ungestüme Teufelsfahrt.
Wasser schlägt in hohem Bogen
Auf das Deck des Schiffes schon.
Ringsum türmen sich die Wogen,
Blitz und Donner lachen Hohn.
„Hört ihr nicht das lieblich’ Sagen?
Hört ihrs? Hörts ihrs? Wir sind nah!
Lasst es uns nur weiter wagen!“
Aber keiner sagt mehr: „Ja!“
Höher, höher schlagen Wellen.
Und durch Sturmes roh’ Gewalt
Reißen Segel an manch Stellen.
„Hört ihr wie es lieblich schallt?“
Und mit einem lauten Krachen
Bricht ein Hauptmast splitternd ab.
Und wie durch Charybdis Rachen
Zieht’s das Schiff ins nasse Grab.
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Kirsten Riehl