Kulturbeutel Jubiläums Special Teil 2

 Veröffentlicht von am 3. September 2011 um 12:56  Kommentieren
Sep 032011
 

Ganz ehrlich? Also: ich schaffe heute auch nicht, 50 Gedichte zu besprechen. Denn leider läuft mir die Zeit davon. Aber einige habe ich euch dennoch mitgebracht. Und vielleicht lege ich morgen noch ein paar drauf, denn in der Browser-Bookmark-Schublade liegen noch etliche, die es wert sind, vorgestellt zu werden.

Begegnungen  

Fangen wir an mit dem “Fleischregen“, der scheinbar auf Thomas Reich gefallen ist. Oder so. Es ist die — nicht nur enttäuschte, sondern auch — schwarzmalerische Version von meinem Gedicht “Discoqueen”, welches ich noch nicht hier eingestellt habe. Vielleicht ist es auch die realistischere Fortsetzung der romantischen Vorstellung meines Gedichts. Wie dem auch sei, der Kommentar darunter erkennt jedenfalls nur einen Deutungsstrang, den man verfolgen kann.

In eine ähnliche Richtung scheint mir Egon Alters ” Teilnahmslos” zu gehen, auch wenn hier der Regen nicht aus Fleisch besteht. Daneben sind die vier Zeilen natürlich auch ein schönes Wortspiel, was neben der hier angedeuteten Interpretation natürlich auch noch viel mehr zulässt.

Ich bin mir nicht sicher, ob es auch in die Kategorie zufällige Bekanntschaften passt oder ob ich den Bezug nur herstelle, weil ich das Gedicht von Bee (@Morgaine620) im Kontext der anderen beiden gelesen habe. Diese Vermutung habe ich, da ich die englische Version, die von der Autorin selbst stammt anders lese, als die deutsche: “Aufwachen“. Jedenfalls ist das hier eine ganze Spur romantischer, ohne aber kitschig zu werden.

Gesellschaftliches  

Freilich ist die Zivilisation ein Irrgarten. Aber ich finde, dass sich der Autor auf dem endloskurz-blog in seinem eigenen Gedicht ein wenig verirrt hat. Denn in “Maisfeld” verstricken sich irgendwie zu viele Bilder in einander. Damit geht das Thema irgendwie verloren. Ich könnte vermuten, dass dies bei dem Irrgarten-Thema so gewollt ist, aber es scheint mir etwas ungewollt. Ich weiß nicht.

Genauso verirrt, aber das mit sichtbarer Absicht, hat sich wohl Michael Bauer (@kurzdielyrik) in den Nachrichtenmeldungen/ -überschriften der letzten Tage und Wochen. Daraus geworden ist “Ach die Nachrichten sind News?“. Und entgegen meiner sonstigen Abneigung gegen ein Übermaß an Abstraktheit gefällt mir dieses Werk durchaus.

Weniger verwirrt sondern ganz konkret ist dagegen das Werk “Stadtleben” vom Blog “Hertels Gedichte”. Ich habe gleich mehrere Assoziationen zu diesem kurzen Gedicht, aber ich möchte euch nichts vorweg nehmen.

Zum Thema Stadt passt auch “Bittere Stadt” von @moewenglanz. Allerdings übertreibt die Gute es für meinen Geschmack ein wenig damit, unzugängliche Bilder zu schreiben. Das ergibt jede Menge Assoziationen, klar. Und die surrealistischen Elemente haben sicher etwas für sich. Mir persönlich ist es aber etwas viel.

Ich konnte mir noch nicht genau erklären wie der Titel “Im Wald” mit dem Text des Gedichts von Claudia Kilian zusammenhängt. Vielleicht ist auch hier eher der Dschungel der Gesellschaft oder das Dickicht der Arbeitswelt gemeint…

Jahreszeitliches  

Verständlicher ist der Zusammenhang zwischen Titel und Werk schon bei “Katharsis“. Was mir an dem Gedicht von @westsideblogger Markus Jüngling nicht ganz gefällt, ist der Satzbau. Denn durch die Aneinanderreihung per Kommata geht dem Geschriebenen eine stärkere Gliederung ab, die es aus meiner Sicht durchaus vertragen könnte. Letztlich geht es um Urlaub — irgendwie zumindest. Und so lässt sich die Verbindung zwischen Jahreszeit und Gesellschaftskritik herstellen.

Irgendwie schon in Richtung Herbstgedicht tendiert die “spätlese” die Perry aus dem Forum dichterplanet.com uns liefert. Allerdings gehen hier ein paar Worte andere Wege. Und in der zweiten Strophe habe ich irgendwie ein grammatikalisches Problem, mir würde da entweder ein “zu” fehlen oder es macht irgendwie relativ wenig Sinn.

Ganz und gar herbstlich ist die “Herbstahnung” von Barbara Hauser. Hier finde ich letztlich nur die persönlichen Bemerkungen oder Bezüge zum Ende etwas störend. Man (naja…ich) erwartet da irgendwie etwas mehr, auf das das ganze Gedicht zuläuft. Was das sein könnte weiß ich leider auch nicht. Und welche Motivation hinter dem Gedicht steckt, ist freilich auch nur grob zu erahnen.

Auch bei “Tief” weiß ich nicht, wie der Titel zum Rest zu passen hat. Es ist eines dieser sommermüden müder Sommer Gedichte, die in diesem Jahr verständlicherweise eine gewisse Verbreitung gefunden haben. Enden lässt die Autorin Elke K. das ganze aber in einem, aus meiner Sicht, typischen Spätsommer-Gedanken, der mich durchaus mit Wärme erfüllt.

Poetologisches?  

Im Forum von Literarchie hat eine Autorin mit dem Pseudonym Utensil das Gedicht “Sprechblasen” veröffentlicht, das wohl — dem Kommentar nach zu urteilen — selbst eine enthält. Insgesamt ist das Werk etwas sehr verspielt. Und es ist schwer zu sagen, ob es nicht die Grenze der Kitschigkeit an ein, zwei Stellen zur dunklen Seite hin überschreitet. Aber das macht es in diesem Fall nicht schlechter. Auch Kitsch kann ein Stilmittel sein, wenn er richtig eingesetzt wird.

Teilen und Empfehlen